Routledge, Robin 2008. Old testament theology: A thematic approach. Downers Grove: IVP Academic.
ISBN: 978-0-8308-3992-6
ISBN: 978-0-8308-3992-6
Zum Autor
Robin Routledge ist seit 2006 Dozent für Altes Testament am Mattersey Hall Bible College. Von 1980 bis 2005 war er vollzeitlicher Pastor der Rotherham Baptist church in Rotherham, England. Während dieser Zeit promovierte er an der Sheffield Universität im Bereich Altes Testament. Neben seiner Tätigkeit als Dozent am Mattersey Hall Bible Collge unterrichtet er das Alte Testament auch bei anderen theologischen Ausbildungstätten in Europa und Südafrika. Routledge ist Verfasser und Herausgeber mehrerer Bücher und wissenschaftlicher Artikel zu verschiedenen Themen in den Bereichen Altes Testament und Mission.
Überblick
Was ist die Botschaft des Alten Testaments? Wie sollen wir als Christen das Alte Testament verstehen? In den letzten Jahren sind viele Bücher erschienen, die das Ziel hatten, eine kohärente Theologie des Alten Testaments darzustellen. Christen haben das Alte Testament übernommen und verstehen sich als Gottes Volk unter dem Neuen Bund. Dies hat zur Folge, dass sie, die die Kanonizität des Alten Testaments anerkennen, auch seine göttliche Autorität erkennen und es als wertvoll und relevant für das Leben der Gemeinde ansehen müssen (S. 22-23). Dies ist Routledges Ziel in seinem Buch: durch die Methodik der „biblichsen Theologie“ (biblical theology) will Routledge aus dem Text eine Gesamt-Theologie des Alten Testaments erarbeiten, um Prinzipien aufzuzeigen, die eine Relevanz für die heutige Gemeinde haben; und zwar aus dem ganzen Alten Testament, und nicht nur ein paar Stellen (S. 79-80). Wie der Titel des Buches andeutet, geht Routledge an das Alte Testament thematisch („thematic approach“) heran. Durch die verschiedenen Themen, mit denen er sich auseinandersetzt, will Routledge zeigen, dass das Alte Testament ein kohärentes und einheitliches Werk ist. Routledge ist bemüht, das Alte Testament für sich reden zu lassen; er versucht zu vermeiden, christliche Konzepte aus dem Neuen Testament auf die Texte des Alten Testaments anzuwenden.
Bevor Routledge sich auf den Text konzentriert, widmet er seine Aufmerksamkeit im ersten Kapitel der Frage der Interpretation und betrachtet dabei u.a. Unterschiede zwischen den Juden und ersten Christen. Danach wendet sich Routledge der Entwicklung christlicher, alttestamentlicher Theologien zu, und zeigt die Stärken und Schwächen von verschiedenen Ansätzen auf; so schreibt er z.B. in Bezug auf eine eher systematische Betrachtung des Alten Testaments, dass eine Tendenz dazu, die Entwicklung der Theologie des Alten Testaments zu ignorieren, eine Schwäche dieses Ansatzes sei (S. 28). Diese Betrachtung der Stärken und Schwächen verschiedener Ansätze zieht sich weiter durch die Aufklärung bis zu den deutschen Theologen Walter Eichrodt und Gerhard von Rad. Am Ende des Kapitels stellt Routledge dann seine Methode vor. Mit seiner „biblischen Theologie“, versucht er, die Theologie des Textes, wie wir ihn haben, auszuarbeiten (S. 80).
Nach dieser Betrachtung der Methodik wendet sich Routledge in den folgenden neuen Kapiteln verschiedenen Themen aus dem Alten Testaments zu. In Kapitel 2 beginnt Routledge mit Gott. Er betrachtet verschiedene Namen und Aspekte Gottes im Alten Testament, wie z.B. den Geist Gottes, ruach. Am Ende des Kapitels werden seine Eigenschaften, vor allem die Heiligkeit, untersucht. Das Thema in Kapitel 3 ist die Schöpfung und Urgeschichte. Routledge ist der Meinung, dass dieser Teil von Genesis eine Legende sei (S. 127). Die Urgeschichte sei ahistorisch und ein Versuch, zu erklären, warum die Welt so ist, wie sie ist. Wichtig sei in Bezug auf die Urgeschichte, was theologisch gemeint ist (S. 131).
Die Kapitel 4 bis 8 handeln von der Beziehung zwischen Gott und seinem Volk Israel. Der Fokus in Kapitel 4 liegt auf dem Bund, welcher nach Routledge eine Konzept ist, das schon früh in Israel zu finden sei und nicht erst später von Redakteuren hinzugefügt wurde (S. 161). Nach einer Diskussion über das Wesen von Bündnissen, wendet sich Routledge einigen Bünden zu, beginnend mit Abraham und Sinai. Dieser Bund, wie alle anderen auch, habe mit Beziehungen zu tun, und jeder Bund stehe in Kontinuität mit den anderen Bündnissen (S. 169). Ein wichtiger Aspekt von Bünden ist die Anbetung Gottes. Deswegen betrachtet Routledge in Kapitel 5 das Thema „Anbetung“. Alle wichtigen Elemente des Kultus in Israel werden betrachtet: Stiftshütte, Tempel, Leviten/Priester, die Feste und verschiedenen Opfer (welche Routledge als stellvertretend versteht). Ein besonderer Höhepunkt in diesem Kapitel ist die Diskussion von Gottes chesed in Bezug auf das Opfersystem in Israel (S. 194-204). Gott hat seinen Willen durch das Gesetz in Israel offenbart. Es gibt aber noch zwei weitere Quellen der Offenbarung: die Propheten und Weisheitsliteratur. Diese sind Thema in Kapitel 6. Propheten sollen anderen Botschaften von Gott übermitteln. Dies taten sie sowohl auf nationaler, als auch auf persönlicher Ebene (S. 212). Weisheitsliteratur gibt praktische Anweisungen (s. 218), aber nur die, die Gott kennen, können Weisheit verstehen (S. 218). Die Weisheit in den Sprüchen solle als Personifikation verstanden werden (S. 219-221). Kapitel 7 beschäftigt sich mit dem König und dem Bund mit David. Dieser Bund bildet das Fundament für das Erwarten des kommenden Messias.
Die restlichen Kapitel handeln von den Themen Ethik (8), Zukunft (9) und den Nationen (10).
Nach dieser Betrachtung der Methodik wendet sich Routledge in den folgenden neuen Kapiteln verschiedenen Themen aus dem Alten Testaments zu. In Kapitel 2 beginnt Routledge mit Gott. Er betrachtet verschiedene Namen und Aspekte Gottes im Alten Testament, wie z.B. den Geist Gottes, ruach. Am Ende des Kapitels werden seine Eigenschaften, vor allem die Heiligkeit, untersucht. Das Thema in Kapitel 3 ist die Schöpfung und Urgeschichte. Routledge ist der Meinung, dass dieser Teil von Genesis eine Legende sei (S. 127). Die Urgeschichte sei ahistorisch und ein Versuch, zu erklären, warum die Welt so ist, wie sie ist. Wichtig sei in Bezug auf die Urgeschichte, was theologisch gemeint ist (S. 131).
Die Kapitel 4 bis 8 handeln von der Beziehung zwischen Gott und seinem Volk Israel. Der Fokus in Kapitel 4 liegt auf dem Bund, welcher nach Routledge eine Konzept ist, das schon früh in Israel zu finden sei und nicht erst später von Redakteuren hinzugefügt wurde (S. 161). Nach einer Diskussion über das Wesen von Bündnissen, wendet sich Routledge einigen Bünden zu, beginnend mit Abraham und Sinai. Dieser Bund, wie alle anderen auch, habe mit Beziehungen zu tun, und jeder Bund stehe in Kontinuität mit den anderen Bündnissen (S. 169). Ein wichtiger Aspekt von Bünden ist die Anbetung Gottes. Deswegen betrachtet Routledge in Kapitel 5 das Thema „Anbetung“. Alle wichtigen Elemente des Kultus in Israel werden betrachtet: Stiftshütte, Tempel, Leviten/Priester, die Feste und verschiedenen Opfer (welche Routledge als stellvertretend versteht). Ein besonderer Höhepunkt in diesem Kapitel ist die Diskussion von Gottes chesed in Bezug auf das Opfersystem in Israel (S. 194-204). Gott hat seinen Willen durch das Gesetz in Israel offenbart. Es gibt aber noch zwei weitere Quellen der Offenbarung: die Propheten und Weisheitsliteratur. Diese sind Thema in Kapitel 6. Propheten sollen anderen Botschaften von Gott übermitteln. Dies taten sie sowohl auf nationaler, als auch auf persönlicher Ebene (S. 212). Weisheitsliteratur gibt praktische Anweisungen (s. 218), aber nur die, die Gott kennen, können Weisheit verstehen (S. 218). Die Weisheit in den Sprüchen solle als Personifikation verstanden werden (S. 219-221). Kapitel 7 beschäftigt sich mit dem König und dem Bund mit David. Dieser Bund bildet das Fundament für das Erwarten des kommenden Messias.
Die restlichen Kapitel handeln von den Themen Ethik (8), Zukunft (9) und den Nationen (10).
Fachrelevante Einordnung
Mit zahlreichen Büchern zur Theologie des Alten Testaments auf den Markt, wollte Routledge eine kurze und gut lesbare AT-Theologie schreiben, die das Alte Testament relevant und anwendbar für die Gemeinde macht. Er zweifelt nicht an der Autorität des Alten Testaments, jedoch versucht er, wo es geht, moderne wissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen. Dabei geht er aber kritisch mit den Thesen um. Zum Beispiel scheint Routledge an manchen Stellen die Neuere Urkundenhypothese zu akzeptieren, lehnt allerdings die Behauptung ab, die Unterscheidung zwischen Leviten und Priestern sei spät in Israel zu finden (S. 181-183).
Das Besondere an diesem Werk ist der Ansatz: anstatt das Alte Testament zu systematisieren, arbeitet Routledge Themen aus dem Text heraus und nutzt diese Themen als Begleiter, um die Theologie aufzuzeigen. In gewisser Weise knüpft er an den „canonical approach“ von Brevard Childs an, denn Routledge versucht nicht eine „Urform“ des Textes zu finden (wie es oft der Fall bei liberaler Theologie ist), sondern beschäftigt sich mit dem Text, den wir haben.
Wegen der vielen Wortstudien eignet sich dieses Buch besonders für Pastoren und andere Personen, die in der Gemeinde predigen und lehren. Für diejenigen, die sich mehr mit der Theologie des Alten Testaments beschäftigen möchten, oder auch mit einem der erarbeiteten Themen, ist dieses Buch ebenfalls hilfreich. Das Buch enthält viele Fußnoten, die an andere Werke und Diskussionen weiterleiten. Wegen seiner Akzeptanz von einigen Kritischen Meinungen, z.B. dass die Urgeschichte nur eine Legende sei, einigt sich Routledges Werk nicht unbedingt für theologische Laien, denn sie könnten durch solche Ansätze verunsichert oder verwirrt werden.
Das Besondere an diesem Werk ist der Ansatz: anstatt das Alte Testament zu systematisieren, arbeitet Routledge Themen aus dem Text heraus und nutzt diese Themen als Begleiter, um die Theologie aufzuzeigen. In gewisser Weise knüpft er an den „canonical approach“ von Brevard Childs an, denn Routledge versucht nicht eine „Urform“ des Textes zu finden (wie es oft der Fall bei liberaler Theologie ist), sondern beschäftigt sich mit dem Text, den wir haben.
Wegen der vielen Wortstudien eignet sich dieses Buch besonders für Pastoren und andere Personen, die in der Gemeinde predigen und lehren. Für diejenigen, die sich mehr mit der Theologie des Alten Testaments beschäftigen möchten, oder auch mit einem der erarbeiteten Themen, ist dieses Buch ebenfalls hilfreich. Das Buch enthält viele Fußnoten, die an andere Werke und Diskussionen weiterleiten. Wegen seiner Akzeptanz von einigen Kritischen Meinungen, z.B. dass die Urgeschichte nur eine Legende sei, einigt sich Routledges Werk nicht unbedingt für theologische Laien, denn sie könnten durch solche Ansätze verunsichert oder verwirrt werden.
Stellungnahme
Robin Routledge hat in Old Testament Theology durch seinen angenehmen Schreibstil ein gut lesbares Werk verfasst, das in einigen Punkten die Relevanz des Alten Testaments für die Gemeinde aufzeigt. Ich bin der Meinung, dass er im Großen und Ganzen sein Ziel erreicht hat und das Buch zu empfehlen ist.
Die Kapitel sind logisch aufgebaut und verfolgen ein klares Ziel. Einige Erkenntnisse von Routledge fand ich sehr interessant; z.B. dass Kinder zu gebären eine Parallele zur Beschneidung sei (S. 168) oder dass die Schöpfung von Menschen aus dem Staub Einssein mit der Schöpfung zeigen solle (S. 138). Die Wortstudien sind auch sehr hilfreich und werden sicherlich in Zukunft für mich noch nützlich sein.
Kritisch anzumerken ist, dass Routledge es versäumt, aufzuzeigen, warum wir das Neue Testament nicht stärker berücksichtigen sollen. Jesus selbst hat gesagt, dass die ganze Schrift von ihm spricht und ich bin der Meinung, dass wir diese Tatsache beim Lesen und Verstehen des Alten Testaments berücksichtigen sollen. Ich hätte mir auch gewünscht, dass Routledge seine Themen in einer umfassenderen „Metanarrative“ eingebettet hätte, damit wir als Leser besser nachvollziehen können, wie Routledge die Geschichte des Alten Testaments versteht. Außerdem wurden einige interessante Themen leider nicht untersucht, z.B. die Kriege gegen die Kanaaniter und ihre vollkommene Ausrottung. Wie passt diese Geschichte in eine gesamt-alttestamentliche Theologie? Bei der Betrachtung der Urgeschichte wäre eine Auseinandersetzung oder zumindest die Erwähnung anderer Ansätze, wie dem „functional creation“ Ansatz, der u.a. von Sailhamer und Walton vertreten wird, wünschenswert gewesen.
Die Kapitel sind logisch aufgebaut und verfolgen ein klares Ziel. Einige Erkenntnisse von Routledge fand ich sehr interessant; z.B. dass Kinder zu gebären eine Parallele zur Beschneidung sei (S. 168) oder dass die Schöpfung von Menschen aus dem Staub Einssein mit der Schöpfung zeigen solle (S. 138). Die Wortstudien sind auch sehr hilfreich und werden sicherlich in Zukunft für mich noch nützlich sein.
Kritisch anzumerken ist, dass Routledge es versäumt, aufzuzeigen, warum wir das Neue Testament nicht stärker berücksichtigen sollen. Jesus selbst hat gesagt, dass die ganze Schrift von ihm spricht und ich bin der Meinung, dass wir diese Tatsache beim Lesen und Verstehen des Alten Testaments berücksichtigen sollen. Ich hätte mir auch gewünscht, dass Routledge seine Themen in einer umfassenderen „Metanarrative“ eingebettet hätte, damit wir als Leser besser nachvollziehen können, wie Routledge die Geschichte des Alten Testaments versteht. Außerdem wurden einige interessante Themen leider nicht untersucht, z.B. die Kriege gegen die Kanaaniter und ihre vollkommene Ausrottung. Wie passt diese Geschichte in eine gesamt-alttestamentliche Theologie? Bei der Betrachtung der Urgeschichte wäre eine Auseinandersetzung oder zumindest die Erwähnung anderer Ansätze, wie dem „functional creation“ Ansatz, der u.a. von Sailhamer und Walton vertreten wird, wünschenswert gewesen.
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